VfL-Coach Hufe vor Saisonbeginn im Interview

In rund einer Woche geht es los. Dann schuften die Landesliga-Fußballer des V.f.L. Rhede fast täglich für den Auftakt Mitte August. Erstmals in der Verantwortung steht dann ein Rückkehrer. Sebastian Hufe, VfL-Urgestein, stand zuletzt zwei Jahre im Dienst beim Nachbarn TuB Bocholt und ist nunmehr für die Erstvertretung im BESAGROUP-Sportpark verantwortlich. Der 32-jährige stellte sich vor dem Saisonbeginn im großen Interview den kritischen Fragen der VfL-Redaktion:

VfL-Redaktion: Sebastian, zum 1. Juli 2017 kommst du nach zwei Jahren bei TuB Bocholt zurück in den BESAGROUP-Sportpark. Was genau macht für dich den Reiz dieser Aufgabe aus?

Hufe: Die sportlichen Ambitionen sind da sicherlich hervorzuheben. Die Landesliga ist schon ein gutes fußballerisches Niveau, was für mich persönlich auch eine Herausforderung darstellt, die ich gerne angehen möchte. Dass hier vielleicht in Zukunft wieder Oberligafußball möglich ist, reizt zusätzlich. Dazu komme ich aus Rhede, von der Bambini bis zur A-Jugend habe ich für den VfL gespielt und habe hier auch meine Trainerlaufbahn begonnen. Da ist es schon eine große Ehre, wenn man Trainer der 1. Mannschaft wird, dies Aufgabe erfüllt mich mit viel Stolz, aber auch Demut, weil ich mir der Verantwortung bewusst bin, den der Posten mit sich bringt. Auch freue ich mehr sehr auf die Zusammenarbeit mit Javi, Sven und Julian. Ich glaube, wir können langfristig sportlich hier was reißen.

VfL-Redaktion: Der Kader ist zu großen Teilen zusammengeblieben, hat aber mit Volmering, Schüring, Chciuk und Kaczmarek vier Stützen verloren. Wie bewertest du die Qualität des zusammengestellten Kaders?

Hufe: Fakt ist erstmal, dass uns schon eine Gewisse Qualität und Erfahrung verlassen. Zu den vier genannten kommt mit Bene Spieker noch ein weiterer Eckpfeiler hinzu, der nächste Saison nicht mehr zum Kader zählt. Weh tut vor allem der Verlust von Volmering und Kaczmarek, von den beiden hatten wir eine Zusage und haben fest mit Ihnen geplant. Bei Volmering habe ich bei dem Wechsel nach Dingden Verständnis, er zieht nach Münster und kann den Aufwand Landesliga nicht mehr betreiben. Bei Kaczmarek verhält es sich natürlich anders. Das ist eine unschöne und enttäuschende Situation. Trotzdem stimme ich zu, dass der Großteil des Kaders zusammengeblieben ist, was für den Charakter der Truppe spricht. Viele hätten auch zu anderen Vereinen gehen können, um dort deutlich mehr Geld zu verdienen, haben sich aber für den VfL Rhede entschieden. Fußballerisch haben wir eine sehr gute Qualität. Jetzt ist nur wichtig, dass Spieler aus dem Schatten von den Führungsspielern, die uns verlassen treten und bereit sind Verantwortung zu übernehmen, sowohl auf als auch neben dem Platz. Die Karten werden für alle neu gemischt.

 VfL-Redaktion: Nach vielen Jahren fehlt in diesem Jahr erstmal ein Bundesligist im Vorbereitungsprogramm? Nach Gladbach, Dortmund und Fortuna Düsseldorf erwartet ihr jetzt „lediglich“ die Regionalliga-Vertretung von Rot-Weiss Essen. Bedauerst du keinen prominenten Linienchef auf der gegenüberliegenden Seite begrüßen zu dürfen?

 Hufe: Das ist natürlich schon sehr schade, da es nicht nur für Spieler und Zuschauer eine tolle Sache ist, sich mit den ganz Großen messen zu dürfen. Auch für uns Trainer ist das eine schöne Geschichte. Ein Bundesligaspiel birgt aber halt auch ein finanzielles Risiko, die Vereine nehmen viel Geld und die Kosten müssen dann erstmal gedeckelt werden. Ich würde mir natürlich wünschen, wenn in Zukunft wieder ein Bundesligist zu Gast sein wird. Mit Rot-Weiß Essen kommt nun ein absoluter Traditionsverein, auf den ich mich auch sehr freue.

VfL-Redaktion: Der Verein bewegt sich gerade in einem Umstrukturierungsprozess. Wie bewertest du die ersten Schritte? Wird es mittelfristig Erfolg bringen? Habt ihr schon Personal gewinnen können, dass euch in die gewünschte Richtung bringt?

 Hufe: So ein Prozess ist natürlich aufwendig und langwierig, aber absolut notwendig. In dem wir mit Hannes und Javier den Sportvorstand wieder besetzt haben, sind beim Vorstand wieder Kapazitäten frei geworden, um sich um andere wichtige Themen zu kümmern. Das war meiner Meinung nach die wichtigste personelle Entscheidung der letzten Jahre. Wichtig ist für mich, dass Stellen nicht nur nominell mit Namen besetzt sind, sondern das diese Personen auch die Stellen ausüben und mit Leben füllen. Davon lebt der Verein.

VfL-Redaktion: In welchen Bereichen unseres Vereins siehst du noch kurzfristig Verbesserungspotential?

Hufe: Generell gibt es in allen Bereichen Verbesserungspotential. Man darf sich nie ausruhen, Stillstand ist Rückstand. Wir wollen uns immer in allen Bereichen weiterentwickeln. Aber um mal einen Punkt zu nennen – die Öffentlichkeitsarbeit wird immer wichtiger. Hier müssen wir deutlich zulegen und das werden wir auch. Die Macht der sozialen Medien darf man nicht unterschätzen; hier müssen wir uns deutlich professioneller aufstellen und präsenter werden. Hier können wir viele Menschen auf einfache Weise erreichen und damit auch die Attraktivität für Sponsoren steigern.

VfL-Redaktion: Mit welchen Gefühlen blickst du in die Zukunft des V.f.L. Rhede?

 Hufe: Der VfL Rhede ist mein Heimatverein, ich habe hier meine Kindheit und meine Jugend verbracht. Daher ist es auf jeden Fall mit vielen Gefühlen verbunden. Alle Vereine kämpfen heutzutage um Ihr sportliches und wirtschaftliches Überleben, der VfL bleibt hier nicht verschont. Aber ich denke, dass wir hier einiges erreichen können, auch abseits des sportlichen Geschehens. Daher blicke ich positiv in die Zukunft. Wir werden die Aufgaben, die uns bevorstehen, angehen und auch meistern.