VfL-Sportchef Garcia Dinis beabsichtigt einen größeren Konkurrenzkampf

16.01.2018 - 1. Mannschaft · AktuellesLesezeit ca. 7 Minuten -

Früher als geplant ist der Landesligist VfL Rhede wieder im Training. Hintergrund ist das Nachholspiel am 4. Februar zuhause gegen den VfL Repelen. Über jenen Rückrundenauftakt sprachen mit VfL-Sportchef Javier Garcia Dinis im großen Exklusivinterview. Dabei bezog er auch Stellung zur aktuellen Entwicklung beim VfL Rhede, der im Winter neben weiteren Planstellen auch seine Planungen für die Spielzeit 2018/19 anging.

VfL: Javier, das Team holte in der Hinrunde 21 Punkte. Das sind deutlich weniger als im Vorjahr zur selben Zeit. Wie bewertest du die erste Saisonhälfte?
Javier: Die Hinrunde war geprägt von einem deutlichem Auf und Ab. Einem perfekten Saisonstart mit drei Siegen aus drei Spielen folgte in der Mitte der Hinrunde eine Serie von fünf Niederlagen. Demnach kann man die Hinserie eher als „durchwachsen“ bezeichnen. Aber dies kam nicht wirklich überraschend. Der Umbruch im vergangenen Sommer, Leistungsschwankungen bei jungen Spielern … dies sind nur zwei Gründe für die Inkonstanz. Schon von Beginn an wussten wir, dass uns ein wichtiges Übergangsjahr bevorstehen wird, in welchem wir auch kritische Phasen durchstehen müssen. Trainerteam und Mannschaft sind aber sehr professionell mit der jeweiligen Situation umgegangen. Keine zu große Euphorie zum Saisonstart, aber auch keine Panikmache während der Niederlagenserie. Dennoch wissen wir: in der Rückserie müssen und wollen wir besseren und erfolgreicheren Fußball spielen.

VfL: Mit Saisonbeginn hat Sebastian Hufe das Zepter im BESAGROUP-Sportpark übernommen. Du selbst bist in die Position des sportlichen Leiters gewechselt. Wie gefällt dir deine neue Rolle?
Javier: Die Umgewöhnung viel anfangs schwer. Schließlich war ich eine sehr lange Zeit die tägliche Arbeit auf dem Fußballplatz gewohnt. Aber mittlerweile fühle ich mich auch in der neuen Rolle sehr wohl. Die Bindung zu den Teams wie auch zu den einzelnen Trainern ist eng. Es fallen viele Aufgaben an. Schließlich gehört nicht nur die 1. Mannschaft, sondern auch unsere Reserve und ein Stück weit auch die U19 zu meinem Verantwortungsbereich. Gerade seit Mitte Oktober gibt es eigentlich kaum einen Tag, an dem ich nicht auf der Platzanlage bin, um Organisatorisches zu besprechen oder um die Kaderplanung, insbesondere der 1. und 2. Mannschaft, voranzutreiben. Es sind zeitweise extrem lange Nächte. Es ist wahrlich eine andere Art der Arbeit. Man treibt nicht mehr die Entwicklung von Spieler voran, wie es nun einmal ein Trainer tut, der Job als Sportlicher Leiter bringt aber auch eine Menge Dinge mit sich, die „entwickelt werden müssen“. Und dabei versuche ich mich bestmöglich einzubringen. Es ist erfreulich, wenn man dann die ersten Erfolge mit begleiten kann, die sich z.B. in den Neuverpflichtungen für die 1. Mannschaft zeigen.

VfL: Und wie bewertet der Vorgänger und nunmehr nominell Vorgesetzte die Arbeit des neuen Trainers?
Javier: Sebastian macht seinen Job hervorragend. Aber nicht nur er, ich beziehe Sven und Julian direkt mit ein. Wir sind in der glücklichen Lage, ein unheimlich gut eingespieltes Trainerteam zu haben. Ich erkenne in jeder Einheit eine sehr gute Trainingsplanung, man ist im stetigen Austausch über Gegner und Spieler. Jeder arbeitet akribisch und zielorientiert. Es macht Spaß, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich alle nicht nur um die sportlichen Belange der 1. Mannschaft kümmern, sondern sich auch aktiv in die Verbesserung der Strukturen beim VfL einbringen. Ich hatte zu Saisonbeginn schon einmal verlauten lassen, dass alle Drei ein Glücksfall für den VfL seien. Und auch nach der Hinrunde kann ich diese Beurteilung nur bestätigen.
VfL: Du bleibst dem VfL auch über die Saison hinaus – mindestens bis zum 30.06.2019 – als sportlicher Leiter erhalten, wenngleich dich viele wieder zurück auf der Trainerbank erwartet hatten. An Angeboten dieser Art mangelte es wahrscheinlich nicht, wieso hast du dich zu diesem Schritt entschieden?
Javier: Ehrlich gesagt habe ich auch ernsthaft darüber nachgedacht, auf die Trainerbank zurückzukehren. Denn ich kann nicht leugnen, dass die Arbeit mit den Jungs auf dem Platz das ein oder andere Mal fehlt. Aber ich sehe meine Arbeit als Sportlicher Leiter nicht als beendet an und ich tue mich schwer damit, Unvollendetes „liegenzulassen“. Ich habe mit der Zeit gespürt, dass es sich nicht richtig anfühlt, nach nur einem Jahr in der neuen Position bereits wieder eine andere Aufgabe anzunehmen. Dazu kommt, dass ich erkenne, dass der Verein sich bewegt, langsam zwar, aber es tut sich etwas: innerhalb der Mannschaft und auch strukturell. Ich empfinde das „Gesamtprojekt“ VfL Rhede noch immer als sehr spannend. Daher bin ich froh und stolz darauf, weiterhin Teil dieses Vereins zu sein.

VfL: Am 4. Februar kommt Repelen, dann reist ihr in der Woche nach Schwafheim, ehe zum regulären Rückrundenauftakt die Sportfreunde aus Hamborn sich im BESAGROUP-Sportpark vorstellen. Beginnt ihr direkt mit Wochen der Wahrheit?
Javier: Die beiden Nachholspiele und der frühe Startpunkt gegen Repelen und in Schwafheim haben die Planung der Vorbereitung durcheinandergeworfen. Die Pause für die Jungs war kurz. Dennoch bin ich überzeugt, dass das Trainerteam das Optimum aus der kurzen Vorbereitungszeit herausholen wird. Repelen und Hamborn sind schwer zu bespielen und es gibt deutlich angenehmere Aufgaben als an einem Mittwochabend um 20 Uhr in Schwafheim auf Asche anzutreten. Die Tabellensituation ist aber eindeutig und lässt keine großen Ausrutscher zu. Der Abstand zur Abstiegszone ist mit 6 Punkten überschaubar. Daher muss es unser Anspruch sein, die Spiele siegreich zu gestalten. Woche der Wahrheit ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber wir könnten eine wichtige Basis für eine erfolgreiche Rückrunde schaffen.

VfL: Während das Team über Weihnachten die Füße hochlegen durfte, hast du im Hintergrund viele Gespräche geführt – mit großem Erfolg. Der Kader für 18/19 steht zu großen Teilen. Zuletzt sprachst du davon, dass es nur noch minimale Verschiebungen geben wird. Kannst du hier etwas berichten?
Javier: Die Kaderplanung für die 1. Mannschaft ist definitiv auf der Zielgeraden. Wir haben mit allen Spielern unseres aktuellen Kaders gesprochen und sind sehr stolz darauf, dass wir einen Großteil von unserer Philosophie und dem gemeinsamen Weg beim VfL überzeugen konnten. Einige Entscheidungen stehen allerdings noch aus, da noch Details zu klären sind. So stehen wir noch mit Max Willing, Bodo Teriete, Philipp Volks, Fabian Teklote und Steffen Heller in Kontakt. Ich denke, dass wir bei allen genannten Spielern mit einer finalen Entscheidung im Februar rechnen können. Auch mit unserem Kapitän Tobias Keil wollen wir noch über seine sportliche Zukunft sprechen. Ob diese auf oder eher neben dem Platz seine Fortsetzung findet, vermag ich nach seiner zweiten schweren Knieverletzung noch nicht sagen. Aber dass er Bestandteil des Teams bleiben soll, steht außer Frage. Zudem haben wir noch ein, zwei Namen als potentielle externe Verstärkungen im Kopf. Wir sind durch die bereits getätigten Neuverpflichtungen nicht unter Zugzwang oder Zeitdruck, wissen aber, dass noch die ein oder andere Planstelle im Kader zu besetzen ist. Ob intern oder extern wird sich zeigen.

VfL: Mit Dings, Girnth, Hahm, Hallbauer, Staude und Kaiser habt ihr gewaltige Qualität in den BESAGROUP-Sportpark geholt. Wie kam es zu dieser Entscheidung der sportlichen Führung?
Javier: Unsere Planungen hatten bereits Anfang Oktober begonnen als Sebastian und ich – trotz des guten Saisonstarts mit 4 Siegen aus den ersten 6 Spielen – die Stärke unseres Kaders kritisch hinterfragt und analysiert haben. Dabei spielte natürlich auch immer der Blick auf die Konkurrenz eine gewaltige Rolle. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt war uns klar, dass wir in der Breite und in der Spitze nicht wettbewerbsfähig sein werden, wenn es um die vorderen Platzierungen geht. Mannschaften wie Kleve, FSV Duisburg, Kray oder Scherpenberg bestechen mit einer enormen individuellen Qualität und haben unserem Team zudem noch eines voraus: eine Menge Erfahrung. Daher war uns bewusst, dass Veränderungen im Kader alternativlos sind, wenn wir wieder in die Spitzengruppe der Landesliga zurückkehren wollen.
Wir sind alle Mannschaftsteile durchgegangen, haben uns dazu intensiv über neue Namen, die für den VfL infrage kommen, unterhalten. Ziel war es, einen stärkeren Konkurrenzkampf auf jeder einzelnen Position zu schaffen. Dabei war uns sehr wichtig, dass die Neuverpflichtungen charakterlich zu uns passen und sich für ein gemeinsames Ziel emotionalisieren lassen. Und dass wir besonders auf Talente aus der Region und auf Spieler mit einer VfL Vergangenheit achten, ist kein Geheimnis.
Nachdem wir im vergangenen Sommer den Fokus auf junge, lernwillige Talente hatten, war es uns diesmal aber auch von großer Bedeutung, dass die Spieler bereits ihre Erfahrungen im höher klassigem Amateurfußball gemacht haben, um die Qualität auf Anhieb zu steigern. Wir erhoffen uns natürlich dadurch auch, dass die Jungs, die bereits ihre Schuhe für den vfL schnüren, einen Schub nach vorne bekommen.
Oli Dings, Flo Hahm, Flo Girnth, Freddy Hallbauer, Tarek Staude und Sebastian Kaiser passen perfekt in unser Anforderungsprofil. Die Gespräche mit den Jungs haben deutlich gezeigt, welch professionelle Einstellung jeder mitbringen wird. Es sind alles Spieler mit Führungsanspruch und wir wissen um die enormen fußballerischen Qualitäten.
Stolz sind wir aber auch, wieder eigene U19 Talente in den Kader aufnehmen zu können: Jonas Föcker und Marco Kämmler haben ihre Zusagen gegeben, mit Dominic Thieler sind noch kleinere Details zu klären. Es zeigt, dass wir auch in dieser Hinsicht unseren Weg unbeirrt weitergehen werden. Alles mit dem Ziel, unserem Anspruch auf eine Spitzenposition in der Liga gerecht zu werden.

VfL: Zuletzt war von einem finanziell engeren Budget zu lesen. Wie kam es dennoch zur Verpflichtung dieser Jungs?
Javier: Es ist eigentlich wie immer. Kaum verpflichtet man einen Spieler mit Qualität, ist sofort die Rede von einem „großen Geldkoffer“. Dass es auch anders geht, glaubt einem so oder so keiner. Um es deutlich zu sagen: wenn es den Spielern ums Geld ginge, würden sie nicht beim VfL spielen, denn dafür gibt es deutlich attraktivere Ziele in unserem Umfeld. Ja, der VfL Rhede muss den Gürtel enger schnallen, aber damit kämpfe ich bereits seit meinem ersten Jahr hier. Dies ist kein Neuland. Wir haben vom Vorstand ein Budget zugesichert bekommen und bewegen uns im Soll.
Geld war in den Gesprächen mit den Jungs wahrhaftig nicht das entscheidende Thema, einige verzichten sogar auf Geld und haben dem VfL ihre Zusage gegeben. Dies spricht zum einen für den Charakter der Truppe und der Identifikation mit dem Verein, zum anderen dafür, dass wir mit unserer Idee und Philosophie den Nerv jedes Einzelnen getroffen haben.

VfL: Mehr Qualität bedeutet auch eine höhere Erwartungshaltung im Umfeld. Wie geht ihr mit dieser Situation um? Möchte der VfL Rhede 18/19 den nächsten Angriff in Richtung Landesligaspitze starten?
Javier: Du kannst keinen Erfolg garantieren, nur weil Du qualitativ gute Jungs in Deinen Reihen hast. Wir haben lediglich den Weg zu einer erfolgreichen Saison 18/19 geebnet, in der es – keineswegs überraschend – unser Anspruch sein muss, zur Spitzengruppe der Landesliga zu gehören. Ob es direkt die Landesligaspitze sein wird, bleibt abzuwarten. Erfolg muss sich entwickeln, deshalb gehen wir die Sache mit Demut und der notwendigen Geduld an. Was ich aber mit Stolz sagen kann: wir haben eine Mannschaft beisammen, die uns auf und neben dem Platz Freude machen wird.
Die Erwartungshaltung im Umfeld des VfL ist immer hoch, das Wort „Oberliga“ geistert in diesem Zusammenhang in vielen Köpfen herum. Wir setzen die Jungs nicht unter Druck, gehen mit dieser Thematik sehr entspannt um. Wir werden irgendwann den Beweis antreten, dass mit den Jungs aus dieser Region ein Aufstieg möglich ist. Irgendwann wohlgemerkt.
Aber seien wir ehrlich, das ist alles noch Zukunftsmusik. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns noch eine ereignisreiche Rückrunde bevorsteht. Daher freue ich mich jetzt erst einmal auf den Rückrundenauftakt in gut drei Wochen. Darauf konzentrieren wir uns. Über die neue Spielzeit können wir dann wieder im Juli sprechen.

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